Wege zur Liedinterpretation PDF Drucken E-Mail

 

Paul von Schilhawsky - Wege zur Liedinterpretation
Herausgegeben von Robert H. Pflanzl


Vorwort zu „Wege zur Liedinterpretation“


Eine mediterrane Landschaft im sanften Herbstsonnenschein, ein Hof, ein Schuppen. Blumentöpfe über Blumentöpfe, ein chaotisches Durcheinander von herrlichen Blüten und immergrünen Gewächsen, von verwelkten, vertrockneten und ganz abgestorbenen Blumen. Mittendrin werkelt ein Gärtner: Paul Schilhawsky. Er ist am Aufräumen, stapelt leere Blumentöpfe, schneidet Verblühtes heraus und stell die schönsten Pflanzen ordentlich zusammen. Es ist ein freudiges Wiedersehen und ich erzähle ihm sofort von meiner Arbeit an dem Buch „ Wege der Liedinterpretation“. Wie immer hört er sehr aufmerksam zu und meint dann, wir sollten uns zusammensetzen, denn er hätte noch einen Stapel schwarzer Mappen mit seinen Aufzeichnungen. An dieser Stelle hätte ich ihm sagen müssen, dass ich diese Mappen bereits von seiner Tochter erhalten habe, dass sie die Grundlage des Buches sind und ich bereits im Ordnen und Korrigieren bin. Diese Konfrontation mit der Realität hat der schöne am Traum vom 16. Februar 2003 nicht überstanden und so ist er schnell verblasst.

Nicht verblasst ist die Erinnerung daran. So hatte ich Paul Schilhawsky noch nie erlebt – als „Finto Giardiniero“. Natürlich nicht – ich kannte nur den Pianisten, den Lehrer, den Rektor, den Gesprächspartner und den Redner, brillant in allen Bereichen. Dabei schien mir das Bild vom Gärtner gar nicht so abwegig. das Hegen und Pflegen der alten Lieder und der jungen Talente fand hier eine schöne Parallele. Aber die überraschende Deutung des Traumes kam erst später. Der Autor der mittelhochdeutschen Verseerzählung vom „Meier Helmbrecht“, Wernher der Gartenaere, hieß noch in meiner Schulzeit in neuhochdeutscher Übersetzung: Werner der Gärtner. Heute deutet die Sprachwissenschaft den Beinamen mit dem Verbum „garten – umherwandern“, Wernher der Gartenaere wäre dann „ein fahrender Sänger gewesen, der die eigenen Dichtungen und die der anderen von einem literarisch angeregten Kreis vortrug“. (Fritz Tschirch in der Einführung zur Reclam-Ausgabe 1978 des „Helmbrecht“). Das trifft es natürlich ganz genau, denn nichts anderes hat Paul Schilhawsky getan, wenn er am Mozarteum oder auf seinen zahlreichen Auslandsreisen für die Schönheiten des Liedes geworben hat. Vielleicht kann dieses Buch ein wenig von seinem Wissen und von seiner Begeisterung vermitteln – für alle, die ihn leider nicht mehr selbst erleben konnten.

Bei der Betrachtung der einzelnen Lieder hat sich Paul Schilhawsky an die allgemein verbreiteten Werksausgaben gehalten. In der Zwischenzeit aber sind von allen hier besprochenen Komponisten kritische Neu-Ausgaben erschienen bzw. in Vorbereitung. Dabei wurden teilweise andere Liedgruppen gebildet oder die Reihung innerhalb einer Liedgruppe verändert. So weit es möglich war, wurden die aktuellen Korekturen im Text berücksichtigt, an anderer Stelle verweisen Untertitel auf die neuen Gesamtausgaben. Grundsätzlich gilt eine chronologische Reihung der Kompositionen – mit einer Ausnahme: bei Franz Schubert werden zunächst die drei Lied-Zyklen behandelt, anschließend die „Ausgewählten Lieder“ nach der Ausgabe in sieben Bänden der Edition Peters (1885/1928).

Zur besseren Orientierung sind im Anhang nochmals die Inhaltsangaben der neuen kritischen Gesamtausgaben aller besprochenen Komponisten zusammengefasst.

Robert H. Pflanzl

Vertrieb: Musikverlag Doblinger
Wien-München

ISBN 3-900695-67-9
Copyright 2004

Gesamtherstellung WR DruckMedien, Salzburg