Rezension "Wege zur Liedinterpretation" PDF Drucken E-Mail

Was weiß ein "p", ein "f" von Lust und Liebe

"Wege zur Liedinterpretation" von Paul von Schilhawsky (1918-1995) ist ein sachlicher, informativer Führer durch das Liedschaffen von Schubert, Schumann, Brahms, Wolf, Mahler und Strauss, posthum herausgegeben von Robert H. Pflanzl mit Unterstützung der Universität Mozarteum, zu beziehen über den Verlag Doblinger. Jedem Komponisten sind einige Notizen zu Leben und Werk gewidmet, besonders im Kontext des Liedschaffens. Schilhawsky charakterisiert die Lieder formal, musikalisch und inhaltlich, zeigt Fehlerquellen oder Gefahren bei der Interpretation auf. Das Buch versteht sich als Nachschlagwerk, nicht als "Liederlesebuch". Der Stil ist dementsprechend schnörkellos, dabei immer elegant, klar. Manchmal blitzen in den sachlichen Ausführungen Ironie und Poesie auf. "Je größer die Konzertsäle werden, desto weniger passt in sie der Liedgesang und je lauter, ja plakathafter unser Leben wird, desto bedrohter scheint mir das Intime, Pastellhafte von Lyrik und Lied", schreibt Schilhawsky. Sein Weg zum Lied führt über den Text zur Musik, Überlegungen zu Tempo, Metrum, Tonart, Dynamik, Atem und Stimme folgen. Die dem Buch vorangestellte Laudatio von Hermann Regner anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Universität Mozarteum an Paul von Schilhawsky vermittelt das Bild eines begnadeten Lehrers und Menschenführers.

(Aus einer Buchbesprechung von Heidemarie Klabacher in "DrehPunktKultur Salzburg")