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Rezension "Im Stimmenwald" von Gernot Wojnarowicz
(http://www.dasorchester.de/de_DE/journal/current/showarticle,42332.html)


Robert H. Pflanzl, geboren 1934 in Breslau, dürfte einer ganzen Heerschar von Sängern noch bekannt sein, war er doch bis zu seiner Emeritierung 2002 Leiter der Abteilung für Gesang und musikdramatische Darstellung am Salzburger Mozarteum. Er war in die Theaterwelt hineingeboren worden und hatte seine Laufbahn als Assistent von Günther Rennert am Württembergischen Staatstheater begonnen. Diese Karriere lag auch ein wenig in seiner Wiege, denn sein Vater war der anerkannte Salzburger Bassist Heinrich Pflanzl (1903-1978), der auch in Wien und Bayreuth gastiert hatte. Später dann war Robert H. Pflanzl auch Spielleiter an der Hamburgischen Staatsoper und wirkte an der Komischen Oper Berlin und an der Wiener Staatsoper. Da er als Regisseur gefragt war, inszenierte er nicht nur an großen und kleinen Häusern, sondern führte auch Anfang der 1960er Jahre beim damaligen Süddeutschen Rundfunk und beim NDR in Musikfilmen Regie.Robert H. Pflanzl erzählt seine Lebensgeschichte chronologisch, aber nicht nur anhand von alten Tagebuchnotizen, er lässt auch in vielen kurzen Beiträgen Zeitgenossen zu Wort kommen. Er zitiert aus Kritiken und Erinnerungen seiner früheren Mitstreiter. Da beruflich bei ihm ab den 1970er Jahren der Schwerpunkt auf der Hochschullehre lag, war er seit dieser Zeit nicht mehr so sehr „am Puls“ der Opernwelt wie noch zu Beginn seiner Berufsjahre. Aber die Anekdoten vornehmlich aus den 1950er und 1960er Jahren aus Bayreuth, über seine eigenen Gagenverhandlungen, über die Marotten mancher Theaterprinzipale der alten Schule sind amüsant und lesenswert. Es ist ein Reigen guter alter und auch bewunderter Bekannter, die da vor dem Leser wieder auferstehen: Wieland Wagner, Rolf Liebermann, Walter Felsenstein, Gerd Albrecht, Michael Gielen, Herbert von Karajan, der Bühnenbildner Caspar Neher und auch Sänger der Kategorie wie Fritz Wunderlich und Anja Silja. Einen großen Raum nehmen die Beschreibungen von glücklich verlaufenen Tourneen und Gastspielen ein.
Das Buch ist schön bebildert, teils mit Erinnerungsfotos aus dem Privatarchiv, teils mit Szenenfotos der Inszenierungen, bei denen der Autor Regie führte. Die gut 200 Seiten tragen für alle, die sich an diese Opernzeiten erinnern, sicher etwas zur Nostalgie bei. Der Text ist mit seiner Episodenhaftigkeit klar gegliedert und flüssig zu lesen.Man würde sich in Pflanzls Stimmenwald verirren, würde man erwarten, dass er über die Änderungen von Regiehandschriften, von Leitung in Direktionsbüros oder von „Krisen“ der Institution Oper schriebe. Dafür bietet sein „Leben in der Welt der Oper“ aber eine Fülle von persönlichen Erinnerungen an einige führende Opernhäuser der Nachkriegszeit.
Gernot Wojnarowicz