Rezension Opernwelt Februar 2013 PDF Drucken E-Mail

Opernwelt, Ausgabe Februar 2013 Seite 27 von Gerhard Persché


SINGEN AUS DER VOLKSSEELE
Biografien über den Tenor Gustav Walter und den Bass Heinrich Pflanzl…

…den vollständigen Artikel über beide Künstler finden Sie hier als pdf Dokument!

Diese bietet die Biografie Grüß Gott, Herr Kammersänger – Der Salzburger Heinrich Pflanzl in Welt der Oper seines Sohnes Robert H. Pflanzl. In Briefen, Tagebucheintragungen, Interviews und Rezensionen untersucht sie u.a. die Stellung der Kunst in der Politik im Großdeutschen Reich wie in der DDR und ist darin ein höchst interessantes Zeitdokument. Vor allem aber entwirft deer Band das Leben eines wohl zu Unrecht vergessenen großen Sängers. Denn dass der Bass, 1903 in Salzburg geboren und 1978 dort verstorben, in den Sängeranthologien wenn überhaupt nur marginal erwähnt wird, erscheint seltsam.

Gibt es von ihm doch zahlreiche Tondokumente, die der Anhang des Buches aufführt und die auch seine Auftritte auf dem Grünen Hügel (als Beckmesser, Kothner, Alberich und Karajan, Kempe, Klemperer) dokumentieren. Im Internet bietet You Tube einen Mitschnitt der Meistersinger 1951 unter Rudolf Kempe, in dem Pflanzl einen stimmlich konzentrierten, textgenauen Merker singt – eine Figur, über die er sich viele Gedanken machte: „…ein galliger Bürokrat, ein penetranter Federefuchser, ein zundeltrockener Biedermann, aber keine groteske Karikatur. Wo Sachs resigniert, wirbt Beckmesser mit der lächerlichen Hartnäckigkeit des aussichtslosen Liebhabers.“ Dass der Sänger sich an Dresden, wo er seit 1942 wirkte, auch zu Zeiten der DDZ gebunden fühlte, kann wohl nicht der Grund dafür sein, dass die Welt ihn später ziemlich vergaß. Denn selbst der Wechsel 1950 nach Berlin an die Deutsche Staatsoper und als Gast an Felsensteins Komische Oper sowie erfolgreiche Bayreuther Tätigkeit änderte daran wenig. Andere, die Pflanzl künstlerisch durchaus nicht überlegen waren, hatten wohl das bessere network, wie man dies heute nennen würde. Schon deshalb verdient die editorische Arbeit seines Sohnes Respekt. Umso mehr, als Robert H. Pflanzl sich hütet, die Nachwelt im verklärenden Ton eines nostalgischen Familienchronisten „aufzuklären“.

Gerhard Persché