Rezension Ernst Strobl "Kammersänger" PDF Drucken E-Mail

Ein Denkmal für den berühmten Vater

04.09.2012 Der Salzburger Opernregisseur Robert H. Pflanzl erinnert in einer Biografie aus Briefen und Dokumenten an Kammersänger Heinrich Pflanzl

 

ERNST P. STROBL SALZBURG (SN). Robert H. Pflanzl war langjährig als Opernregisseur tätig und bis zu seiner Emeritierung Leiter der Opernklasse an der Universität Mozarteum. Schon einmal hat er einem Familienmitglied ein Denkmal gesetzt und die Tagebücher von Berta Pflanzl von 1898–1953 herausgegeben, nun folgte ein neues Buch, das das Leben seines Vaters, des berühmten Kammersängers Heinrich Pflanzl, rekapituliert. Und zwar in Form von Tagebucheintragungen, einer umfangreichen Korrespondenz, zahlreichen Kritiken von den Wirkungsstätten des Sängers bis hin zum Jahr 1972, als der Pädagoge Abschied vom Mozarteum nahm. Das letzte schriftliche Zeugnis ist ein Leserbrief an die „Salzburger Nachrichten“, in dem sich Heinrich Pflanzl für einen im Februar 1978 erschienenen Artikel zum 75. Geburtstag seines Jugendfreunds Georg Rendl bedankte, der 1972 verstorben war.

Über 150 Rollen hat der 1903 als Sohn des einst bekannten Heimatdichters Otto Pflanzl geborene Heinrich Pflanzl im Laufe seiner Karriere verkörpert, wenig bekannte wie etwa Balthasar Ziegle in „Schneider von Schönau“ von Jan Brandt-Buys bis hin zu den Paraderollen wie Figaro oder Leporello, Beckmesser oder Alberich. Die Stationen dieser Karriere waren – nach dem Studium in Wien – Bern, Breslau (bis 1936), Nürnberg (1936–1939), Kassel (1939–1942), Dresden (1942–1945, nach Wehrmachtseinsatz und Verwundung bis 1950). 1950 bis 1961 sang Pflanzl an der Staatsoper Berlin, ehe er ab 1962 eine Lehrtätigkeit am Mozarteum übernahm.

Die Lobeshymnen quer durch die deutschsprachigen Publikationen lassen erahnen, dass die Karriere mit Bedacht und Können ausgebaut wurde. Auch nette Beschreibungen sind zu lesen, die ein lebendiges Bild des Salzburgers zeichnen. So etwa ein Porträt 1939 in einer Berliner Tageszeitung: „Wir schlagen das Programm auf. Figaro – Heinrich Pflanzl? Ein völlig neuer Name. Wo kommt er her, was ist er für ein Mensch? In einem Berliner Café treffe ich einen Herrn mit einem rundlich-verschmitzten Gesicht und freundlicher Brille. Ein Bassbuffo österreichischer Prägung, Figaro aus Salzburg, der Mozartstadt, vom Staatstheater Kassel kommend. ,Ich habe schon sehr früh gesungen, angeregt durch das musikalisch-kulturelle Leben in Salzburg. Mein Vater, der selbst eine schöne Bariton-stimme hatte, war sofort begeistert, als ich den Entschluss fasste, Opernsänger zu werden. Schwierigkeiten hat’s keine gegeben. Im Gegenteil! Wir Kinder sind in vollster Freiheit groß geworden. So wie die Pflanzln wachsen . . . Das sagt schon der Name!‘ (. . .) In einer ruhig-besinnlichen Art erzählt Pflanzl von seiner künstlerischen Entwicklung. ,Ganz aus dem Volk gekommen und mit dem Volk verbunden‘ – diese Worte, mit denen der liebenswürdige Figaro aus Österreich seinen Vater charakterisiert hat, gelten auch für seine eigene Wesensart: er ist der Typ des kultivierten Sängers, der ein erquickendes Fluidum lebensnaher und warmherziger Einfachheit ausströmt.“ So weit ein zeitgenössischer Beobachter.

In der Familienkorrespondenz wird überdies ein Bild gezeichnet über die jeweiligen Lebensumstände, vom Soldatentod des älteren Bruders an der italienischen Front im Ersten Weltkrieg bis hin zu Not und Elend in Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Rezension von Ernst Strobl / Salzburger Nachrichten hier auch als pdf!